Ganzheit / Ganzheitlich:
„Die ganze Seele ist in jedem Teil des Körpers und ganz auch in seiner Gesamtheit.“
Die Begriffe Ganzheit und Gänze sind die Abstrakta des Adjektivs ganz, das sich in der deutschen Sprache bereits vor dem 8. Jahrhundert n. Chr. nachweisen lässt. Ganz bedeutet heil, unverletzt und vollständig.
Siehe auch den Begriff: Holismus
Ganzheitliche Medizin
Ganzheitliche Medizin ist ein Ansatz in der Gesundheitsfürsorge, wonach der ganze Mensch in seinem Lebenskontext mit der Betonung von Subjektivität und Individualität betrachtet und behandelt werden soll. Synonym werden auch die Begriffe holistische Medizin und Ganzheitsmedizin verwendet
Danach wäre der Mensch ein strukturiertes, nach außen offenes System, dessen Teile in wechselseitiger Beziehung zueinander, zum ganzen Organismus und zur Außenwelt stünden. Zu berücksichtigende Faktoren wären bei einer ärztlichen Behandlung demnach die Einheit von Körper, Seele und Geist, Ideale und Wertvorstellungen des Patienten, seine Lebensweise (Bewegung, Ernährung, Stress, Entspannung), die soziale Umwelt mit allen Beziehungen (Partner, Familie, Beruf, Mitmenschen, Gesellschaft), die natürliche Umwelt (Wasser, Boden, Luft, Klima), die künstliche Umwelt (Wohnraum, Arbeitsplatz, Technik) und nach teilweise vertretener Auffassung auch Übersinnliches (Religion, Glaube, Spiritualität).
Im Sinne der obigen Definition von Ganzheit kann man auch vom Menschen sagen, dass er mehr ist als die Summe seiner Glieder und Organe (Vielheit der Körperteile), sondern dass überhaupt erst durch deren funktionale Kontinuität der Mensch ein lebendes Ganzes ist (Einheit in der Vielheit). Dabei ist hier Kontinuität nicht rein zeitlich zu verstehen, sondern als ein stetiger, lückenloser Funktionszusammenhang. Der gesunde Organismus ist in der Tradition des Hippokrates gerade diejenige Ganzheit, deren Teile keinen Kontinuitätsbruch aufweisen. Die Krankheit offenbare sich in den Wunden als Folge der Kontinuitätsbrüche. In diesem Sinne wäre der Kontinuitätsbruch eine Aufhebung oder zumindest Störung der Einheit in der Vielheit. Der Extremfall des Kontinuitätsbruchs wäre das Abtrennen der einzelnen Körperteile und Organe, was zum Ende des Organismus (als einer lebenden Ganzheit) führen würde. Bereits Plotin hatte auf die Einheit von Körper und Seele hingewiesen:
Die Betrachtung und Behandlung eines Themas, eines Gegenstandes oder einer Beziehung in seiner Ganzheit meint eine umfassende, weitsichtige und weit vorausschauende Berücksichtigung möglichst vieler Aspekte und Zusammenhänge:
• erkennbare Ursprünge
• Ziele und Bestimmungen
• Eigenschaften, Zuschreibungen und Zuordnungen,
• direkte und indirekte Beziehungen und Querbeziehungen
• Regeln, Werte und Normen
• Rahmenbedingungen, Nutzenabwägungen, Anwendungsaspekte sowie
• Neben-, Folge- und Wechselwirkungen des Systemverhaltens - und absehbare Reaktionen anderer im Umgang damit.
Ein biologischer Organismus ist eine weitgehend selbständige stoffliche Ganzheit, die biologischen, chemischen und physikalischen Gesetzen folgt und zudem eine Gestalt des Lebens darstellt.
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