Glück

Glücksempfinden:

 

 

Als Erfüllung menschlichen Wünschens und Strebens ist Glück ein sehr vielschichtiger Begriff, der Empfindungen vom momentanen Glücksgefühl bis zu anhaltender Glückseligkeit einschließt, aber auch als ein äußeres Geschehen begegnen kann, z. B. als glücklicher Zufall oder als eine zu Lebensglück verhelfende Schicksalswende.

 

Nicht nur bei Ursachenforschung und Therapie von Erkrankungen sind die Wechselbeziehungen zwischen Leib und Seele, zwischen Körper und Geist als grundlegend wichtig anerkannt; auch für das Glücksempfinden spielen sie eine maßgebliche Rolle. Ein glückhaft gesteigertes Lebensgefühl spiegelt sich messbar in bestimmten Körperfunktionen: Das Herz schlägt etwas schneller, die Haut wird aufgrund verbesserter Durchblutung etwas wärmer und feuchter, ihr elektrischer Widerstand sinkt. Und die Körpersignale spielen - auch über Sex, Sonnenwärme und Nahrungsaufnahme hinaus – keineswegs nur eine nachgeordnete Rolle für das Glückserleben: „Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen allein lassen uns keine Emotionen erleben. Erst wenn sie sich mit den richtigen Körpersignalen verbinden, können wir Freude empfinden. Denn aus diesen Signalen konstruiert das Gehirn die Wahrnehmung leiblichen Wohlbefindens.“

Das Streben nach Glück hat als originäres individuelles Freiheitsrecht Eingang gefunden in das Gründungsdokument der ersten neuzeitlichen Demokratie, in die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Die Förderung individuellen menschlichen Glücksstrebens ist heute Gegenstand von Forschung und Beratung unter neurobiologischen, medizinischen, soziologischen, philosophischen und psychotherapeutischen Gesichtspunkten.

 

Jüngere Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften haben wichtige Einsichten in die biologischen Grundlagen von Glücksgefühlen erbracht. Im Zuge der anhaltend intensiv betriebenen Hirnforschung dürfte der diesbezügliche Kenntnisstand noch erweitert werden. Bedeutenden Einfluss auf Glücksempfindungen haben nachweislich Endorphine, Oxytocin sowie die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin. Das Gehirn setzt diese Botenstoffe bei unterschiedlichen Aktivitäten frei, zum Beispiel bei der Nahrungsaufnahme, beim Geschlechtsverkehr oder beim Sport.

 

Eine Kehrseite der durch die neuere Kommunikationstechnik geförderten sozialen Vernetzung des Individuums, die zu Überforderung und Verunsicherung führen kann, skizziert der Soziologe Gerhard Schulze: „Wie der Barbier von Sevilla reagiert man nach allen Seiten hin auf kurzfristig auftauchende Anforderungen – Figaro hier, Figaro da -, ohne ein Wirklichkeitsbild zu entwerfen, das die vielen Ereignisse umfassend beschreibt. […] Politik, Medienlandschaft, Werbung, Entwicklung neuer Produkte, nicht zuletzt unser aller Alltagsleben scheinen von galoppierendem Episodismus befallen. Wir schreien uns gegenseitig ständig neue Reizworte zu, fallen wechselnden Problemmoden anheim, werden von einander jagenden Erregungstrends ergriffen. Der Kurs durch die Wirklichkeit gerät zur Geisterbahnfahrt.“

 

Angesichts eines tendenziellen Überangebots an medialen Reizen und Kontaktangeboten ist es also zum eigenen Wohlbefinden nötig geworden, das rechte Maß und die nötige Balance in der Nutzung solcher Möglichkeiten zu finden.

 

Individuelles Glückserleben wird wie gezeigt von einer Vielzahl sozialer Rahmenbedingungen beeinflusst. Darüber hinaus aber stellt sich die Frage nach der Machbarkeit einzelmenschlichen Glücks. Oft stehen dem traumatische Erfahrungen in der Kindheit und während des Heranwachsens im Wege; aber auch im fortgeschrittenen Lebensalter können Einschnitte durch Unfälle, Gewalteinwirkung und Katastrophen aller Art das Gemütsleben so nachhaltig beeinträchtigen, dass ohne therapeutisches Einwirken die Rückgewinnung des seelischen Gleichgewichts als Glücksgrundlage ausbleibt. Andererseits ist auch die Alltagsnormalität zumeist nicht so beschaffen, dass sich in ihr die Suche nach mehr Lebensglück ohne Weiteres erübrigt. Daher gehören psychotherapeutische Hilfen und die Entwicklung individueller Lebenskunst zu den besonders nachgesuchten Quellen von Glück.

 

 

 

 

 

 

 

 

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