Wichtige Anmerkung!

Keinesfalls behaupte ich daß meine Anwendungen solche Wirkungen auslösen werden!

Bei Erkrankungen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen!!!

 

 

Artikel:

Deutsches Ärzteblatt: Dtsch Arztebl 1997; 94(25): A-1708 / B-1448 / C-1348

Internet: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=6798

 

 

Glomp, Ingrid

Spontanremissionen bei Krebserkrankungen: Das Phänomen der unerwarteten Genesung

POLITIK: Medizinreport

Wenige wissenschaftliche Tagungen finden ein solches Echo in den Medien wie die Konferenz über Spontanremissionen bei Krebserkrankungen, zu der kürzlich die Deutsche Krebsgesellschaft nach Heidelberg eingeladen hatte. Das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Thema ist groß. Und wie steht es mit der Fachwelt? Die in Heidelberg versammelten Wissenschaftler waren sich einig: Es gibt Spontanremissionen bei Tumorerkrankungen, und man sollte diese Selbstheilungskräfte des Körpers untersuchen, um davon für die Therapie zu lernen.

 

Unerklärliche Heilungen sind kein Tabu mehr. Allerdings scheuen sich viele Ärzte und Wissenschaftler noch immer, Spontanheilungen ernsthaft zu diskutieren. Sie befürchten, als unseriös zu gelten, erklärte Prof. Sabine von Kleist, Direktorin des Instituts für Immunbiologie der Universität Freiburg und Vizepräsidentin der Deutschen Krebshilfe. Ein Grund für die Scheu, sich mit Spontanremissionen zu beschäftigen, ist der Mangel an zuverlässigen Daten. Schon mit der Definition des Begriffs tun sich die Experten schwer, und sie fällt entsprechend kompliziert aus. Prof. Manfred Heim, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie der Deutschen Krebsgesellschaft, sprach wohl für die meisten Experten, als er erklärte: "Als Spontanremission bezeichnet man ein komplettes oder teilweises Verschwinden eines bösartigen Tumors in Abwesenheit aller Behandlungen oder mit Behandlungen, für die bisher kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte. Dabei kann es sich um eine Teilrückbildung handeln, oder auch eine Rückbildung, die vorübergehend ist oder nur an einer Tumorlokalisation auftritt." Eine Spontanremission ist also nicht in allen Fällen eine Heilung, der Begriff ist erheblich weiter gefaßt. Prof. Walter Gallmeier vom Institut für Medizinische Onkologie und Hämatologie, Klinikum Nord der Stadt Nürnberg, sprach deshalb in diesem Zusammenhang von einem Kontinuum von Phänomenen. Selbst diese umfangreiche Definition läßt eine Reihe von Fragen offen. Es gibt kaum noch Krebskranke, die nicht behandelt werden. Und was genau ist eine Behandlung, "für die kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte"? Denn die Ansichten in diesem Punkt ändern sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte, und bisweilen haben verschiedene Personen unterschiedliche Vorstellungen davon, welche Therapien wirksam sind. Und wie lange muß eine Remission andauern, damit man sie als solche werten kann?

Bei früheren Berichten gab es außerdem die Befürchtung, daß sich zumindest einige der unerklärlichen Genesungen durch Fehldiagnosen erklären ließen. Viele der neueren Fälle sind jedoch gut dokumentiert. Sporadische Berichte gibt es bei nahezu allen Krebsarten. Die meisten beziehen sich jedoch auf einige wenige Tumoren: Nierenkrebs, malignes Melanom, kindliche Neuroblastome, niedrig maligne Morbus-HodgkinLymphome und chronisch-lymphatische Leukämie.

 

 

Kaum zuverlässige Daten

Wie häufig sind Spontanremissionen? Mit dieser Frage hat sich Dr. Maria Blettner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg beschäftigt. Nach Durchsicht der vorhandenen Literatur kam sie zu dem Schluß, daß es zur Zeit keine ausreichende statistische Erfassung von spontanen Remissionen gibt. Zum Beispiel ergab eine Medline-Suche für die Jahre 1990 bis 1996, daß die Dokumentation bislang nur sehr lückenhaft erfolgt. So wurden aus den USA 23 Fälle von Spontanremissionen berichtet (0,031 Prozent aller Krebsfälle), aus Japan sechs (0,07 Prozent), aus England sieben (0,04 Prozent) und aus Deutschland drei (0,04 Prozent). Insgesamt wurden in diesem Zeitraum weltweit 50 Fälle veröffentlicht. Keine Berichte gab es zum Beispiel aus China, Australien, Südamerika und Rußland.

Vermutlich wird eine Reihe von Fällen nicht publiziert oder nicht wahrgenommen, weil

l die Berichte in kleinen oder psychologischen Zeitschriften erscheinen, die zum Beispiel von Med-line nicht erfaßt werden;

l manche Journale nur eine begrenzte Zahl von Fallbeschreibungen zulassen;

l nur besonders dramatische Fälle publiziert werden; l der behandelnde Arzt aus verschiedenen Gründen kein Interesse an einer Veröffentlichung hat oder gar nichts von der Spontanremission erfährt.

Nach Ansicht von Blettner kann man zur Zeit keine Aussagen über die Häufigkeit dieses Phänomens machen. Um das Problem zu beheben, schlug sie vor: "Wichtig ist eine sorgfältige und genaue Dokumentation aller Einzelfälle und ein Zusammenbringen der Information aus verschiedenen Kliniken, am besten in einer international koordinierten Datensammlung."

Die Biochemikerin Caryle Hirshberg (Ben Lomond, USA) hat sich eingehend mit spontanen Remissionen beschäftigt, die Literatur gesichtet, Fallgeschichten gesammelt und viele Betroffene befragt. Zusätzlich zur Einrichtung eines internationalen Registers, das auch sie für unbedingt erforderlich hält, schlug sie vor, ein Journal ins Leben zu rufen, unter anderem mit dem Ziel, Fallbeschreibungen zu standardisieren. Nur durch solche Maßnahmen ließen sich Fragen beantworten wie:

l Wie häufig treten Spontanremissionen auf?

l Bei welchen Arten von Krebs?

l Wie ist die Verteilung (nach Ländern)?

l Bei was für Personen treten sie auf, und welche Faktoren spielen noch eine Rolle? Besonders Antworten auf die letzte Frage vermißt sie häufig in Veröffentlichungen. Und das Wie und Warum von Spontanremissionen ist es ja eigentlich, was Laien und Fachleute interessiert.

 

 

Körpereigene Kräfte

Hirshberg bevorzugt übrigens den Begriff "unerwartete Genesung" (remarkable recovery), und auch von Kleist findet das Adjektiv "spontan" irreführend, denn der Tumor "gibt eben nicht einfach auf". Vielmehr stellte sie fest: "Wir alle wissen, daß eine Heilung nur möglich ist, wenn körpereigene Kräfte mitspielen, und das gilt selbst für eine Hochdosis-Chemotherapie." Aber welcher Art sind diese Selbstheilungskräfte?

Gallmeier betonte, daß - etwa bei einem kirschgroßen Tumor - eine Ursache auf sehr viele Zellen wirken muß, die sich alle ausdifferenzieren oder sterben müssen, sei es durch den "programmierten Zelltod" (Apoptose) oder durch eine entzündliche Nekrose. Als Beispiel für eine Ausdifferenzierung nannte er Neuroblastome, die sich manchmal in gutartige Nervengeschwülste umwandeln.

 

 

Immunologische Abläufe

Der Zelluntergang wiederum scheint bisweilen dadurch ausgelöst zu werden, daß die Angiogenese im Tumor gehemmt wird. Bei verschiedenen Spontanremissionen scheinen auch immunologische Abläufe beteiligt zu sein. Beispielsweise hat man vor vielen Genesungen bakterielle und virale Infekte beobachtet, und man vermutet, daß die dabei auftretenden Immunreaktionen in Einzelfällen eine Tumorrückbildung bewirken können.

Dr. Ulrich Abel vom Institut für Medizinische Biometrie der Universität Heidelberg hat die vorhandene Literatur gesichtet. Allerdings blieben die bisherigen Studien nach seinen Angaben den klaren Beweis schuldig, daß ein Infekt oder Fieber Krebs heilen kann. Dagegen sei gut belegt, daß Infekte in einigen Fällen das Risiko, an Krebs zu erkranken, senken. So verringern Infekte im Säuglingsalter das Leukämierisiko.

Ob bei einigen Spontanremissionen psychologische, psychosoziale oder psychospirituelle Faktoren eine auslösende Rolle spielen, ist, wie Prof. Gallmeier erklärte, ebenfalls noch unklar. Und andere Anwesende bemerkten, daß es auch bei Patienten, die nichts von ihrer Krebserkrankung wissen, oder bei Neugeborenen unerwartete Rückbildungen gibt.

Andererseits glaubt Hirshberg, einige Hinweise auf beteiligte Faktoren gefunden zu haben. Die etwa 50 "Überlebenden", die sie interviewt hat, waren zwar in vieler Hinsicht sehr verschieden; bei den meisten war jedoch ein sehr starker Lebenswille zu beobachten, das heißt, wie Hirshberg es ausdrückte: sie akzeptierten die Diagnose, aber nicht die Prognose. Außerdem nannten sie spirituelle Faktoren wie Gebete (bei 67 Prozent). Auch die soziale Unterstützung scheint eine große Rolle zu spielen (über 70 Prozent der in ihrer Studie Befragten waren seit mehr als 20 Jahren verheiratet).

Angesichts der bisherigen Beobachtungen äußerte Gallmeier die Vermutung, daß verschiedene Mechanismen zusammenwirken, was ihre Erforschung entsprechend schwierig macht. Häufig sei wahrscheinlich die Apoptose (der programmierte Zelltod) die gemeinsame Endstrecke. Viele Krebszellen seien für ApoptoseSignale weniger empfänglich. Dieser Zustand könne jedoch offensichtlich verändert werden, was eine Tumorrückbildung auslöse. Auch Hirshberg kam auf Grund ihrer Befragungen zu dem Schluß, daß es mehrere Mechanismen gibt und daß möglicherweise bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Faktoren an der Genesung beteiligt sind. Im Hinblick auf die vielen ungelösten Fragen betonte Gallmeier: "Nach dem bisherigen Stand des Wissens ist es für Arzt und Patient zur Zeit unmöglich, Spontanremissionen bewußt und gezielt herbeizuführen." Andererseits wies er darauf hin, daß es, gerade weil Ärzte so wenig über diese Phänomene wissen, menschlich nicht vertretbar und wissenschaftlich unhaltbar sei, genaue Prognosen über die nach einer Krebsdiagnose verbleibende Lebenszeit abzugeben. Dr. Ingrid Glomp

 

 

 

 

 

 

 

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