Transzendental
Transzendental
Unter transzendental (von lat. transcendere, „überschreiten”) versteht die Erkenntnistheorie eine Fragestellung bzw. eine Begründungsweise, die auf die notwendigen Bedingungen zurückführt, unter denen gegenständliches Erkennen überhaupt möglich ist.
Tonangebend ist ihre Formulierung durch Immanuel Kant:
„Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, sofern diese a priori möglich ist, überhaupt beschäftigt“
– Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, KrV A11/12
Transzendental in diesem Sinne darf nicht verwechselt werden mit Transzendenz, was im Unterschied dazu das Übersteigen der Grenzen des Erfahrbaren meint.
Kants transzendentale Deduktion ist als ein Antwortversuch auf Humes Problem, ob das Kausalprinzip bzw. die Annahme der Gesetzmäßigkeit der Welt auf Basis unserer Sinneswahrnehmungen als gültig angesehen werden dürfe, zu verstehen. Kant behauptet gegenüber dem von Hume vertretenen Skeptizismus, dass es Synthetische Urteile a priori geben müsse, das sind Zusammensetzungen oder Verknüpfungen des Verstandes "ganz und gar ohne das Hülfsmittel der Erfahrung", z.B. "die Welt muß einen Anfang haben"
Karl Popper will den Kritizismus Kants fortsetzen. Den Transzendentalismus von Kant und Jakob Friedrich Fries kritisiert er indes, weil dabei Psychologie und Erkenntnistheorie vermischt würden (Psychologismus).
Für Popper heißt „transzendentale Methode“ nur noch, dass die Begriffe und Thesen einer Erkenntnistheorie an den tatsächlichen Verfahren der Wissenschaften kritisch gemessen werden sollten.
Man muss in der Tat Erkenntnisse voraussetzen, um überhaupt erkenntnistheoretische Überlegungen anstellen zu können. Daraus folgt aber nicht, wie Leonard Nelson beweisen wollte, die Unmöglichkeit von Erkenntnistheorie, sondern für Hans Albert lediglich die Unmöglichkeit einer reinen Erkenntnistheorie.
Kants Lösung ist gemäß den Forderungen einer Rechtfertigungsstrategie. Diese können durch einen konsequenten Fallibilismus und kritischen Realismus ersetzt werden.
Kants Ideen können dann uminterpretiert werden zu
· einer empirischen Theorie, die das Erkennen erklärt;
· einer Erkenntnistheorie, die Ziele und Normen festsetzt aufgrund der faktischen Möglichkeiten, welche aufweist;
· einer Methodologie wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts, die als eine rationale Heuristik aufgefasst werden sollte.
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